Wie alles begann: Die Bremer Höhe - eine Mietergründung in Prenzlauer Berg

Ende Oktober 1999 erreichte die Mieter und Mieterinnen der Wohnanlage Bremer Höhe im Prenzlauer Berg die überraschende Ankündigung der Wohnungsbaugesellschaft WiP, dass ihre Wohnungen noch im selben Jahr verkauft werden sollten.

Auf einer ersten Versammlung forderten 350 Mieter:innen einen Verkaufsstopp und verlangten mehr Zeit von dem städtischen Unternehmen für ein eigenes Kaufkonzept. Aber trotz der Zusicherung einer Option wurde die gesamte Wohnanlage Bremer Höhe Mitte Dezember 1999 anderweitig verkauft.

Immerhin hatten die Proteste jedoch erreicht, dass eine wichtige Klausel in den Kaufvertrag eingefügt wurde. Sofern sich die Mieter:innen bis zum 30.04.2000 in einer eingetragenen Genossenschaft organisierten sowie ein eigenes Sanierungs- und Finanzierungskonzept vorlegten, konnte diese Genossenschaft in den Kaufvertrag eintreten.
Am 27.01.2000 gründeten 51 Bewohner- und Unterstützer:innen die Genossenschaft “Bremer Höhe” eG und mit großer politischer Unterstützung und einer Landesbürgschaft gelang das Unmögliche: Zum 01.05. 2020 wurde die Genossenschaft anstelle des privaten Investors Eigentümerin der 21 Grundstücke und 49 Häuser.

Die “Bremer Höhe” eG wurde zum Modellfall für weitere Genossenschaftsgründungen und übernahm mit dem Erwerb auch eine Sanierungspflicht für das solide, zwischen 1870 und 1913 errichtete denkmalgeschützten Ensemble. Zur Sanierung konnten das Förderprogramm “Soziale Stadterneuerung” genutzt werden.

Das Bauvorhaben wurde unter Berücksichtigung vieler Grundriss- und-Ausstattungswünsche der Wohnungsnutzer:innen in drei Bauabschnitten von Anfang 2001 bis Ende 2003 erfolgreich durchgeführt. Der Zeit- und Kostenrahmen wurde eingehalten, ökologische und soziale Aspekte der Sanierung und die Belange des Denkmalschutzes wurden berücksichtigt.

Während der Sanierung wurden ca. 120 Wohnungen zusammengelegt, damit auch Familien mit Kindern versorgt werden können. Aus 521 Wohnungen wurden so 460, darunter auch 22 altengerechte und behindertenfreundliche. Zudem wurde mit den gemeinsam gestalteten Höfen Raum für vielfältige gemeinschaftliche Nutzungen geschaffen.

Baugeschichte

Die Bautätigkeiten auf der Bremer Höhe, damals noch vor den Toren der Stadt, begannen um 1849. Unter der Regie Victor Aimé Hubers und der von ihm gegründeten “Gemeinnützigen Berliner Baugesellschaft” wurden die Grundstücke Schönhauser Allee 58/58a mit 6 Kleinhäusern für 15 Familien bebaut.

Ab 1870 entstand die bis heute erhaltene mehrstöckige Blockrandbebauung, von 1890 bis 1898 wurden auch die “Cottages” durch höhere Bauten ersetzt und die letzten Gebäude wurden 1913 fertig gestellt. Trotz der 40-jährigen Bauzeit ergeben die Gebäude mit ihren umweltbeständigen Backsteinfassaden das Bild eines geschlossenen Ensembles. Anstelle von Hinterhäusern und Seitenflügeln blieben die Höfe als Grünanlage und zur Selbstversorgung der Bewohner unbebaut.

Die Gebäude der Bremer Höhe überstanden den Zweiten Weltkrieg bis auf einen kleineren Schaden an einer Hoffassade ohne gravierenden Substanzverlust. Zahlreiche Einschusslöcher in den Backsteinfassaden der Bremer Höhe zeugen bis heute von den heftigen Straßenkämpfe bei der Einnahme Berlins durch die Rote Armee.

Noch vor Gründung der DDR wurde die Bremer Höhe am 30.4.1949 “in Volkseigentum überführt”. In den folgenden Jahrzehnten beschränkte sich die kommunale Wohnungsverwaltung auf Sicherungs- und Notmaßnahmen. Nur vereinzelt wurden die Kriegsschäden an den Fassaden beseitigt, undichte Dächer und Schornsteine ausgebessert, anstelle der Kohleöfen Gasöfen eingebaut. Die Demontage zahlreicher baufälliger Balkone und das Versiegeln von Teilen der Höfe stellten die gravierendsten Eingriffe in das Ensemble dar.

Die Bremer Höhe als Dach für weitere Projekte

2003 erwarb die “Bremer Höhe” eG ein ehemals besetztes Haus in der Liebigstraße 15 in Berlin-Friedrichshain und setzte damit erstmals extern ihr Engagement für von Bewohner:innen getragene Hausprojekten fort. 

Es folgten 2006 der Kauf der Katzlerstraße 13 in Berlin-Schöneberg zusammen mit einer Gruppe Einzugswilliger, 2008 der eines Wagenburg-Grundstücks in Friedrichshain und 2013 der Erwerb des sozialen Wohn- und Kulturprojekts Georg-von-Rauch-Haus in Kreuzberg. 

Wesentlich größere Vorhaben wurden 2004 mit dem Kauf einer Wohnanlage in der Bornitz-/Ruschestraße in Berlin-Lichtenberg und  2009 mit dem ehemaligen Stadtgut Hobrechtsfelde in Panketal umgesetzt. 2021-2023 folgte der Erwerb weiterer Hausprojekte – teilweise im Rahmen des bezirklichen Vorkaufsrechts und mit Förderung des Landes Berlin – in der Freiligrathstraße 5 und Dieffenbach-straße 69 (Kreuzberg), in der Schönhauser Allee 135/135a und Choriner Straße 12 (Prenzlauer Berg) und mit der Rahnsdorferstraße 27 in Berlin-Schöneiche. 

Außerdem konnte 2014 mit dem Kauf des historischen „Männersiechenhaus“, einem denkmalgeschützten Gewerbeobjekt in der Schönhauser Allee 59, das Ensemble der Bremer Höhe in Prenzlauer Berg vervollständigt werden. 

Der Bestand der Genossenschaft ist damit seit ihrer Gründung im Jahr 2000 von 460 Wohnungen auf über 765 eigene Wohnungen und 41 Gewerbeeinheiten an 12 Standorten angewachsen.

Foto: Geschichtswerkstatt Bremer Höhe
Transparent über die Gneiststraße, März 2020.

Foto: Christian von Steffelin
Bewohnerversammlung im November 1999.

Foto: Uwe Fechner

Pappelallee 69 (circa 1998)