Hobrechtsfelde in Panketal: 86 Wohnungen 1 Gewerbeeinheiten Nutzfläche 6100 m²

 

Projektgeschichte

Reitplatz der Hobi-Müller-Ranch, im Hintergrund der Kornspeicher des ehemaligen Stadtgutes.
Hobrechtsfelde ist Teil der Gemeinde Panketal. Die unter Ensembledenkmalschutz stehende Landarbeitersiedlung des ehemaligen gleichnamigen Berliner Stadtguts entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als letztes der etwa 50 Stadtgüter. Die Wohngebäude wurden unter stilistischem Einfluss der Gartenstadtbewegung gebaut und durch eine Schule und ein Gemeinschaftshaus ergänzt. Bis 1990 wurde Hobrechtsfelde als Volkseigenes Gut geführt, das hauptsächlich der Tierhaltung und -zucht diente. Mit der Wende verschwand diese Funktion, die Wirtschaftsgebäude wurden bis auf eine Scheune und den Getreidespeicher abgerissen, nur die Wohngebäude und ihre Nutzer blieben. Die Verkaufsstelle schloss, das Lehrlings- und Arbeiterwohnheim wurde leer gezogen, das Gemeinschaftshaus verfiel und der daran angeschlossene wunderschöne Saal erlebte zu Silvester 1990 seine letzte Party. In den 1990er Jahren sind viele jüngere Leute  hierher gezogen, die neue Impulse für die Zukunft Hobrechtsfeldes mitbrachten. Was aber blieb waren intakte solidarische Strukturen und ein starkes Gemeinschaftsgefühl, nicht aller, aber doch vieler Bewohner.
Die ca. 25 Gebäude stehen nur etwa 1 km von der nordöstlichen Berliner Stadtgrenze entfernt in der reizvollen Kulturlandschaft des Naturpark Barnims. Im Jahre 2010 lebten ca. 170 Einwohner hier. Dass die Gebäude trotz jahrzehntelanger unterlassener Instandsetzung noch standen, war vor allem ihnen zu verdanken. 
 

Genossenschaftsinitiative

Als die Bewohner im Jahr 2006 davon Wind bekamen, dass „ihre“ Häuser verkauft werden sollten, setzten sich etwa 30 „Hobriden“, wie sie sich zuweilen selbst bezeichnen, zusammen und kamen zu dem Entschluss, die Häuser und Grundstücke selbst erwerben zu wollen, und zwar in einem gemeinschaftlichen Modell.
Die damalige Eigentümerin, die GESOBAU AG, ein Unternehmen des Landes Berlin, unterstützte dieses Vorhaben. Auf der Suche nach dem geeigneten Modell für ihr Vorhaben suchten die Hobrechtsfelder Rat. Am 27. Juli 2006 rief der Hobride Michael Trappiel die „Bremer Höhe“ eG an und fragte, ob Ulf Heitmann bereit sei, die Genossenschaftsinitiative zu beraten: Ihr habt doch ´ne Genossenschaft gegründet, wir wollen das auch, wie macht man das?
 
   
Mit der Sanierung des ruinösen ehemaligen Arbeiterwohnheims wurden  7 Wohnungen geschaffen.
Hier leben heute 11 Kinder und 11 Erwachsene.
 

Zwar gab es bereits damals Überlegungen, ob ein Erwerb der Hobrechtsfelder Dorfstraße 1 bis 50 durch die „Bremer Höhe“ eG nicht das bessere Modell sei, doch in Anbetracht verschiedener Umstände wurde die Gründung einer eigenen Genossenschaft bevorzugt. Der Aspekt der Identifikation der Bewohner mit ihrem Unternehmen, die besondere Lage und Gestalt des Orts, die Chancen, als Neugründung evtl. von einem spezifisches Förderprogramm des Landes Brandenburg profitieren zu können und der höhere Grad der Selbstbestimmung sprachen für diese Variante.

Ende 2006 gründeten ca. 25 Hobrechtsfelder und Ulf Heitmann die WBG „Hobrechtsfelde“ eG i. G. Mehr als zwei Jahre versuchten die Vorstände Michael Trappiel, Uwe Klaus und Sascha Pajonk ein geschlossenes Sanierungs- und Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen, das der bei Genossenschaften erforderlichen Gründungsprüfung standhalten würde. Das Kernproblem, an dem das Vorhaben scheiterte, war ein bilanzrechtliches, das nur durch eine erhebliche Aufstockung des Eigenkapitals der Mitglieder zu lösen gewesen wäre. Dieses war aber nicht vorhanden. Nachdem im September 2008 ein von Bürgermeister Rainer Fornell organisiertes Gespräch mit dem damaligen für die Genossenschaftsförderung zuständigen Brandenburger Minister Dellmann ergebnislos endete, mussten die Protagonisten die Idee einer „eigenen“ Genossenschaft aufgeben. 

 

Sommerfest der „Bremer Höhe“ eG während der Fußball-WM 2010.

Plan B: Kauf durch die WBG „Bremer Höhe“ eG


Mittlerweile war so viel Zeit ins Land gegangen, dass die Glaubwürdigkeit der Genossenschaftsmitglieder im Ort, aber auch bei lokalen und regionalen Partnern verloren zu gehen drohte. So war zu befürchten, dass auch die GESOBAU AG wieder andere Verkaufsoptionen in Betracht ziehen würde.
Von November 2008 bis Januar 2009 erarbeiteten die Vorstände und Aufsichtsräte beider Genossenschaften Positionen für einen Erwerb Hobrechtsfeldes durch die „Bremer Höhe“ eG, das auch bei der GESOBAU AG auf Zustimmung stieß.
 

Plan B wird realisiert

Das erste sanierte Gebäude: ein ortstypisches Landarbeiterhaus für vier Familien.

 

Am 1. Januar 2010 wurde die WBG „Bremer Höhe“ eG Eigentümerin der Hobrechtsfelder Dorfstraße 1 bis 50. Der Zustand aller Gebäude machte umfassende Sanierungsmaßnahmen vor allem der Gebäudehüllen notwendig. Da fast jedes Haus seine Besonderheiten hat, eine Beteiligung der Denkmalpflege erforderlich ist und wir möglichst behutsam sanieren wollen, gehen wir von einem Sanierungszeitraum von ca. acht bis 10 Jahren aus. Mitte 2016 waren etwa 2/3 der Bausubstanz auf Vordermann gebracht und  alle Leerstände beseitigt. Mit den Altmietern, von denen viele in den letzten Jahren Mitglied unserer Genossenschaft geworden sind, haben wir Modernisierungsvereinbarungen abschließen können. Niemand musste den Ort verlassen, weil er die Miete nicht mehr bezahlen kann.

Doch die Instandsetzung und Modernisierung der Häuser ist nur ein Aspekt der Entwicklung Hobrechtsfeldes. Hobrechtsfelde soll zu einem lebendigen modernen Ort werden, in dem auch wieder Arbeitsplätze entstehen und dessen Geschichte und zukunftsorientierten Qualitäten für viele Brandenburger und Berliner erlebbar werden. Hier geht es zu aktuellen Vermietungsangeboten.


 

Schnitterhaus in Hobrechtsfelde

Das 2013 anstelle einer drei Jahre zuvor abgebrannten ehemaligen Saisonarbeiterunterkunft  neu gebaute Mehrfamilienhauses Hobrechtsfelder Dorfstraße 26 in 16341 Panketal ist der erste Neubau der „Bremer Höhe“ eG. Es wurde Anfang 2014 von neun Haushalten bezogen und ist ein richtiges Mehrgenerationenhaus geworden! Das zweistöckige Haus hat den KfW 70 - Energiestandard. Grundriss ErdgeschossGrundriss Dachgeschoss

Die große Aufgabe

Bis zur Schließung des Gutsbetriebs mit ca. 200 Arbeitsplätzen im Jahre 1990 war das 1911 errichtete Gemeinschaftshaus der Treffpunkt und Servicestützpunkt für alle Bewohner, Arbeiter und Angestellten: Hier war die Küche mit der Essensversorgung, abends der Treffpunkt Kneipe, Kindergarten, Poststelle, ab und an der Betriebsarzt und am Wochenende war Tanz im Saal. Wegen der guten Akustik haben hier viele DDR-Schlagerbarden geprobt und Konzerte gegeben. Es gibt die Sage, dass sich der Uckermärker Boxer Max Schmeling hier sein Blumenkohlohr geholt hat und nicht später als Berufssportler auf den Planken der Boxwelt.

Seit der letzten Party zu Silvester 1990 steht das Haus nun leer. Wir haben es 2010 sofort nach Erwerb gesichert, den Schwamm beseitigt und das Dach abgedichtet. Unser Ziel ist es, hier wieder eine vielfältige, den Ort bereichernde, Wohn- und wenn möglich soziale und/oder wirtschaftliche  Nutzung zu ermöglichen. Dafür suchen wir erfahrene Kooperationspartner oder Gruppen, die das unter dem Dach unserer Genossenschaft realisieren wollen.  
 
Bild aus: 50 Jahre Berliner Stadtgüter (Dr. H. Ruths, Berlin 1928, Verlag von Alfred Metzner)